Die Damara: Kultur, Geschichte und wie Sie sich respektvoll einbringen

Jede Landschaft besitzt eine menschliche Geschichte, die sich parallel zu ihrer geologischen und ökologischen Entwicklung entfaltet – und im Damaraland gehört diese Geschichte in erster Linie den Damara. Sie zählen zu den ältesten Bewohnern dieser Region. Ihre Präsenz reicht weiter zurück als alle schriftlichen Aufzeichnungen, und ihre tiefe Beziehung zur Wüstenumgebung hat ihre Kultur, ihre Sprache und ihre Lebensweise zu etwas geformt, das sich grundlegend von jeder anderen Gruppe im südlichen Afrika unterscheidet.

Zu verstehen, wer die Damara sind, was ihre Geschichte beinhaltet und wie man ihrer Kultur respektvoll begegnet, macht eine Reise ins Damaraland nicht nur bedeutsamer, sondern auch ehrlicher. Der Tourismus in dieser Region baut auf dem Land der Damara auf, wird über die Conservancies der Damara verwaltet und von Mitgliedern ihrer Gemeinschaft geführt. Mit dem Wissen, wen man vor Ort trifft, anzureisen, ist ein Zeichen von grundlegender Höflichkeit.


Wer sind die Damara?

Die Damara, auch bekannt als Dama oder !Nuu (wobei das Ausrufezeichen einen Klicklaut anzeigt), sind ein Khoekhoegowab sprechendes Volk mit einer langen und komplexen Geschichte im Nordwesten Namibias. Ihre Herkunft ist unter Historikern und Anthropologen umstritten: Sie sprechen eine Khoisan-Klicksprache, die eng mit der des Nama-Volkes verwandt ist, doch ihre physischen Merkmale und kulturellen Praktiken deuten auf eine andere ethnische Abstammung hin. Eine einflussreiche Theorie besagt, dass die Damara die Khoekhoegowab-Sprache durch jahrhundertealten Kontakt mit den Nama übernommen haben, während sie gleichzeitig biologische und kulturelle Eigenschaften einer eigenständigen und möglicherweise sehr alten Bevölkerung beibehielten.

Sicher ist, dass die Damara vor dem Kontakt mit den Europäern weite Teile des zentralen und nordwestlichen Namibias besiedelten und stark von aufeinanderfolgenden Vertreibungswellen betroffen waren: zuerst durch die Expansion der Nama und Herero, dann durch die deutsche Kolonialverwaltung und schließlich durch die südafrikanische Apartheid-Regierung, die das Homeland „Damaraland“ als ein rassistisch definiertes Gebiet etablierte.

Heute gehören die Damara mit rund 100.000 Menschen zu den größeren ethnischen Gruppen Namibias. Ihr Kernland bleibt der Nordwesten des Landes, und die Community Conservancies der Region – insbesondere Torra, Doro !Nawas und Uibasen werden von Mitgliedern der Damara-Gemeinschaft verwaltet, die auch die direkten Nutznießer der dort generierten Tourismuseinnahmen sind.


Sprache

Die Damara sprechen Khoekhoegowab, eine Sprache, die durch eine Reihe von Klicklauten (Schnalzlauten) gekennzeichnet ist. In der geschriebenen Form werden diese durch Symbole wie !, /, // und # dargestellt. Sie gehören zu den phonetisch komplexesten Lauten aller menschlichen Sprachen. Schon das Erlernen einer einfachen Begrüßung auf Khoekhoegowab ist eine Geste, die von den Gastgebern der Damara stets sehr geschätzt wird.

Einfache Begrüßungen:

  • Mâtisa (ungefähre Aussprache: MAH-tis-ah): Hallo / Wie geht es dir?
  • Î (Aussprache wie „ee“ mit einem leichten Klicklaut davor): Ja
  • Gangans (ungefähre Aussprache: GHANG-ans): Danke

Die Klicklaute sind ohne Übung nur schwer nachzusprechen, aber die Damara begegnen entsprechenden Versuchen ausnahmslos mit großer Geduld. Es ist die Mühe des Versuchens, die den Respekt vermittelt.


Traditionelle Kultur und Lebensweise

Wirtschaft und Lebensgrundlagen

Historisch gesehen waren die Damara in erster Linie Jäger und Sammler. Sie nutzten ihr tiefes Wissen über die Wüstenumgebung, um Wasserstellen zu finden, Wild aufzuspüren und die !Nara-Melone sowie andere Wüstenpflanzen zu ernten, die ihr Überleben in den Trockenzeiten sicherten. Zudem hielten sie kleinere Herden von Ziegen und Rindern. Diese halbnomadische Lebensweise setzte ein detailliertes Verständnis der Landschaft voraus, das sich auch heute noch im enzyklopädischen Umweltwissen älterer Mitglieder der Damara-Gemeinschaft widerspiegelt.

Heute leben die meisten Damara in dauerhaften Siedlungen und bestreiten ihren Lebensunterhalt durch eine Kombination aus Subsistenzwirtschaft, kleinflächiger Viehhaltung und formaler Beschäftigung. Der Tourismus hat sich durch das Conservancy-System, Anstellungen in Lodges und kulturtouristische Aktivitäten zu einer zunehmend wichtigen Einnahmequelle entwickelt.

Handwerkstraditionen

Zu den Handwerkstraditionen der Damara gehören Lederarbeiten, Perlenstickereien sowie die Herstellung von Schmuck aus Straußenei-Schalen und anderen natürlichen Materialien. Die Kunsthandwerksmärkte an verschiedenen Gemeindestandorten im Damaraland – darunter am Versteinerten Wald (Petrified Forest) und in der Uibasen Conservancy nahe Twyfelfontein – werden von Damara-Frauen betrieben, deren Arbeiten echte traditionelle Fertigkeiten widerspiegeln und sich deutlich von massenproduzierten Souvenirs abheben. Unser Leitfaden für Kunsthandwerk zeigt dir, worauf du achten solltest und wie du die Authentizität der Stücke erkennst.

Verpflegung

Die traditionelle Küche der Damara ist stark von der Wüstenumgebung geprägt: Die !Nara-Melone (sowohl das Fruchtfleisch als auch die Samen) ist eine historisch bedeutende Nahrungsquelle; verschiedene Wurzeln und Knollen werden je nach Jahreszeit gesammelt; und Wildfleisch wird, sofern verfügbar, getrocknet und haltbarm gemacht. Die zeitgenössische Küche der Damara hat zwar Maismehl, Reis und andere Grundnahrungsmittel integriert, aber traditionelle Zubereitungsmethoden und Zutaten aus der Wüste werden bei kulturellen Vorführungen in den Gemeinden lebendig gehalten.


Das Damara Living Museum

Das zugänglichste und am besten kuratierte Kulturerlebnis in der Damaraland-Region ist das Damara Living Museum, das sich nahe Twyfelfontein in der Uibasen Conservancy befindet. Mitglieder der Gemeinschaft demonstrieren dort traditionelle Bräuche, darunter das Feuermachen, traditionelle Kleidung und Schmuckherstellung, die Nutzung von Heilpflanzen sowie traditionelle Musik und Tänze.

Das Modell des Living Museums ist in Gemeinschaftsbesitz und wird auch von dieser betrieben: Die von den Besuchern gezahlten Gebühren fließen direkt an die teilnehmenden Gemeindemitglieder. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine bloße Vorführung zur Unterhaltung von Außenstehenden, sondern um eine von der Gemeinschaft selbst gesteuerte Präsentation kultureller Praktiken, die die Damara von sich aus teilen möchten. Diese Unterscheidung ist den Betreibern sehr wichtig, und Besucher, die echtes Interesse statt passiver Zuschauerschaft mitbringen, berichten durchweg von einer weitaus bereichernden Erfahrung.

Praktische Hinweise: Das Living Museum ist täglich geöffnet; plane etwa 90 Minuten für das vollständige Erlebnis ein. Fotografieren ist mit Einverständnis erlaubt – bitte frage immer um Erlaubnis, bevor du Personen fotografierst. Der Eintrittspreis ist in bar (Namibia-Dollar) zu entrichten.


Als Besucher respektvoll umgehen

Frage vor dem Fotografieren um Erlaubnis. Dies ist nicht verhandelbar und gilt überall im Damaraland, ist aber in dörflichen Gemeinschaften von ganz besonderer Bedeutung. Eine Kamera, die ohne Erlaubnis auf eine Person gerichtet wird, ist ein Akt des Nehmens, nicht des Empfangens. Der respektvolle Ansatz besteht darin, Blickkontakt aufzunehmen, auf deine Kamera zu deuten und ein zustimmendes Zeichen abzuwarten, bevor du den Auslöser drückst.

Kaufe direkt bei Verkaufsstellen der Gemeinden. Wenn an lokalen Standorten Kunsthandwerk angeboten wird, kaufe lieber dort als bei Wiederverkäufern in den Städten. Die Einnahmen auf einem Kunsthandwerksmarkt der Gemeinde fließen direkt an die Kunsthandwerker selbst.

Begegne den Guides als Profis. Die Damara-Guides bei Twyfelfontein, am Versteinerten Wald (Petrified Forest) und im Living Museum verfügen über ein detailliertes Wissen über ihre Standorte und deren kulturelle Bedeutung. Begegne ihrer Expertise mit dem gleichen Respekt, den du auch einem Museumskurator entgegenbringen würdest.

Informiere dich vor deiner Ankunft. Das Lesen dieses Leitfadens ist ein guter Anfang. Der Leitfaden zur Felskunst der San und der Überblick über das Community-Conservancy-Modell bieten dir zusammen den breiteren Kontext für die Kulturlandschaft des Damaralandes.

Verwechsle die Damara nicht mit den San. Die San haben die Felsgravuren bei Twyfelfontein und die Malereien am Brandberg geschaffen. Die Damara sind die heutigen Hüter der Landschaft, in der sich diese Stätten befinden. Es handelt sich um eigenständige Gruppen mit unterschiedlichen Sprachen, Geschichten und kulturellen Traditionen. Die Guides in Twyfelfontein, die den Damara angehören, werden diesen Unterschied klar erklären – es ist jedoch hilfreich, wenn Besucher dies bereits im Vorfeld verstehen.

Unser Leitfaden für verantwortungsvollen Tourismus umfasst die umfassenderen Verhaltensregeln für Besucher in der gesamten Region.